Die demenzielle Erkrankung - ein Phänomen unserer Zeit

Das Krankheitsbild der Demenz

Demenz ist der Sammelbegriff für ungefähr 50 verschiedene Erkrankungen,  bei denen die geistigen Fähigkeiten des Erkrankten angegriffen werden. Im Vordergrund einer Demenzerkrankung stehen Gedächtnisstörungen , sodass neue Informationen nicht mehr gespeichert werden und Erinnerungen allmählich verloren gehen. Das Denkvermögen wird zunehmend beeinträchtigt, es fällt immer schwerer Entscheidungen zu treffen und sein Leben eigenständig zu führen.

Die Krankheit führt zu einem Verlust der kognitiven Fähigkeiten. Der Begriff kognitiv leitet sich von dem lateinischen Wort cognoscere ab, was soviel bedeutet wie erkennen, erfahren und kennenlernen. (1) Zu den kognitiven Fähigkeiten gehören die Fähigkeiten zu lernen, zu planen, sich zu konzentrieren, sich etwas vorstellen zu können, sich zu erinnern, aber auch etwas zu glauben bzw. für wahr zu halten und etwas zu wollen. Neben diesen Verlusten zeigen sich auch wechselnde Stimmungen und zunehmende Verhaltensstörungen. 

Die Krankheit verläuft in verschiedenen Stadien, angefangen bei Störungen des Kurzzeitgedächtnisses über Schwierigkeiten bei der Erledigung von Alltagsaufgaben bis hin zu gravierenden Einschränkungen der Sprache und Hilfsbedürftigkeit in allen Bereichen, z.B. Essen, Toilettengang. Der Betroffene ist nicht mehr in der Lage für sich selbst zu sorgen. Er wird vollkommen hilflos und muss betreut werden.

Heute gibt es weltweit 46,8 Mio. Demenz-Erkrankte weltweit (in Deutschland 1,63 Mio.) die Prognose für das Jahr 2060 beträgt 131,5 Mio. (in Deutschland 2,88 Mio.). (2)

 

Warum verliert der Mensch zunehmend seine Denkkraft?

Als Ursache für die Alzheimer Demenz werden immer wieder Ablagerungen im Gehirn genannt. 

Interessant ist jedoch in diesem Zusammenhang eine Studie aus Amerika, die sog. Nonnen-Studie, die 1987 an über 600 Nonnen durchgeführt wurde. Die Nonnen die zwischen 75 und 106 Jahren alt waren, haben ihr Gehirn nach dem Tod für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt. Hierbei kam zutage, dass von den Nonnen deren Gehirn die radikalste Form einer Schädigung durch Eiweißklumpen und absterbendes Gehirngewebe aufwies, lediglich 70 % auch eine Demenz entwickelt hatten, 30 % jedoch nicht. Dieses Ergebnis würde bedeuten, dass trotz degenerativer Veränderungen im Gehirn und entsprechender Ablagerungen keine Alzheimer-Krankheit ausgebrochen ist. (3)

Es muss also noch andere Gründe geben.

 

Während die Wissenschaft seit vielen Jahren nach Gründen für den Abbau der Gehirnzellen forscht, fragt Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe und Autor, eher danach, wie Aufbauprozesse im Gehirn aktiviert werden können.  Bestimmte Prozesse bewirken einen Neuaufbau von Proteinen. Diese Prozesse stellt er so dar, dass dann wenn der Mensch Zustände die zusammenhanglos für ihn geworden sind, verwandelt in bessere Zustände. Der Mensch möchte verstehen, was um ihn herum vorgeht und warum es so ist. Er erlebt nun durch Nachrichten und weltweite Informationsflut Verhältnisse an denen er sich nicht aktiv beteiligen kann um eine Verbesserung herbeizuführen. 

Jeder Mensch möchte aber Teil vom Leben sein, am Leben teilnehmen, mitgestalten und verstehen was da los ist. 

Prof. Dr. Hüther führt weiter aus, dass in dem Moment wo Menschen zu Objekten gemacht werden, indem der Mensch seiner Aufgaben und seines Lebenssinnes entledigt wird, die Bahn frei ist für die Unterdrückung von Selbstheilungskräften und damit für Krankheiten und Abbau. In diesem Sinne ist unser gesamtes Gesellschaftssystem als krankheitsfördernd anzusehen, denn Menschen werden schon von der Schule an dazu erzogen, sich brav in gegebene Hierarchien einzufügen und nichts zu hinterfragen. Werden Menschen in unserer Kultur älter, werden sie pensioniert und ihre bisherigen reichhaltigen Erfahrungen sind für niemanden mehr von Interesse. Sie erleben sich nicht mehr in einem gemeinsamen Gestalten der Welt. Findet jemand in dieser Phase keinen neuen Lebenssinn und beginnt sein Leben eigenständig zu gestalten, dann treten die Abbauprozesse ein. (4)

 

Hans Stolp appelliert in seinem Buch „Demenz - Wenn sich die Seele zurückzieht“ zu mehr Ausgeglichenheit in den Seelenkräften (Denken, Fühlen, Wille), vor allem dazu, das Denken von einem überbetonten intellektuellen Denken mehr in Richtung Kreativität, Verspieltheit, Fantasie und bildhaftem Denken zu entwickeln.

„Bei Demenz fällt unser Denkvermögen langsam aus. Doch zugleich werden andere Bereiche unserer Seele frei, die nun eine weitere Entwicklung durchmachen können: Das Fühlen, die Wahrnehmung, das Spielen mit Farben, die Entfaltung eines Gefühls für Schönheit und vieles mehr.....“   S. 75 ff.

Die Ausführungen und Beobachtungen von Hans Stolp gehen dahin, dass sich die Seele des Demenzkranken zurückzieht um im Stillen weiter zu wachsen, weil die bewusste Führung und Lenkung der Seelenkräfte durch das ICH des Menschen nicht mehr gewährleistet ist.

 

Jede Krankheit erfüllt einen tiefen Sinn und ist dem Menschen und seiner Entwicklung wohlgesonnen. Ich habe bei vielen Menschen beobachten können, wie sie durch eine schwere Krankheit oder einen Schicksalsschlag entscheidende Fortschritte in ihrem Leben machen konnten. Deshalb kann ich diese Aussage mit voller Überzeugung machen. Ich möchte aber hinzufügen dass es sicherlich auch ohne krank zu werden möglich ist sich weiter zu entwickeln, nämlich durch einen bewussten Entwicklungsweg. 

In meiner Betreuungsarbeit mit demenzkranken Menschen habe ich beobachtet, dass mit dem zunehmenden Verlust der Denkfähigkeit die Intensität des Gefühlslebens zunimmt, was sich teils bis zu übersinnlichen Wahrnehmungen hin entwickelt. 

Das Denken wird sozusagen in seiner bisherigen Art stillgelegt. Es ist nicht mehr fähig Gedanken aufzubauen, Eindrücke zu verknüpfen. Es ist auch nicht mehr möglich, im Leben wirklich aktiv zu sein, den eigenen Willen zur Umsetzung von Taten einzusetzen. Im Pflegeheim gibt es nichts zu tun, alles wird einem abgenommen. Dadurch kann eine andere Seelenkraft mehr Raum erhalten, das Fühlen. Es ist wie wenn ein Sinn beim Menschen ausfällt, z.B. das Sehen, dann wird ein anderer Sinn dadurch mehr entwickelt, bspw. das Gehör. 

Die Begrenzung, die durch die bisher gegebene persönliche Anlage des Menschen gegeben war, wird aufgehoben. Die Wahrnehmung erweitert sich auf einen größeren Raum. 

 

Interessant ist auch ein Artikel des Geistforschers und anthroposophischen Heilpraktikers Heinz Grill, der  menschliche unmoralische Verhaltensweisen wie Projektionen in die Ursachenforschung der Demenz-erkrankung mit einbezieht:

„Es gibt eine Eigenschaft des Menschen, die jeglicher gesunden Entwicklung von Körper, Seele und Geist entgegensteht und das ist die Unsitte des Projizierens. Dieses Projizieren, das einem gesunden Denk- und Anschauungsvorgang diametral entgegengesetzt ist, dürfte wohl eine der größten Ursachen für eine weit um sich greifende Demenzpathologie in der Gesellschaft sein....“  weiterlesen

Demnach wäre es wichtig, sich präventiv bewusst forschend mit den Umständen im eigenen Lebensumfeld und besonders mit den negativen Einflüssen auseinanderzusetzen sowie selbst von Projektionen Abstand zu nehmen. Hierzu sind neue Fähigkeiten vonnöten, die herangebildet werden müssen. Die Seelenkräfte des Denkens, Fühlens und des Wollens benötigen eine Schulung, um aus den eingeschliffenen Gewohnheiten zu neuen, bewussten und reichhaltigeren Erfahrungen zu finden. (5)

 

Nach jahrelanger Forschung an Alzheimer-Medikamenten wurde vor einigen Jahren die Arbeit von mehreren großen Pharmakonzernen eingestellt. (6)

 

In der Hirnforschung wurden laut Prof. Dr. Hüther in den letzten 15 Jahren zwei wesentliche Tatsachen entdeckt:

  •  Jedes Kind wird mit weit mehr Potenzial geboren als es jemals im Leben brauchen kann.
  •  Es ist möglich dass sich auch im Alter immer wieder neue Synapsenverbindungen im Gehirn hinzu bilden. 

 

Die Forschungsfrage müsste dann lauten: Wie können wir das Potenzial, das uns mitgegeben wurde und das wie ein Keim in uns ruht, im Laufe des Lebens bewusst entfalten, sodass wir reicher an Fähigkeiten wieder zurückkehren können? (7)

 

Empfehlenswerte Literatur zu diesem Thema

Das Buch von Hans Stolp bietet für Pflegende und Angehörige von demenzkranken Menschen neue interessante Ansätze, die darauf warten, ausprobiert zu werden.

In diesem Buch von Heinz Grill finden sich viele praktische Übungen, die je nach Interesse gewählt werden können, um als Prophylaxe gegen eine Demenzerkrankung die Seelenkräfte zu schulen. 


Quellenangaben:

(1) helpster.de

(2) de.statista.com

(3) Hans Stolp, Demenz - wenn sich die Seele zurückzieht S. 69 ff.

(4) Interview mit Prof. Dr. Gerald Hüther: Demenzforschung auf dem Irrweg 

(5) Die Stärkung der Immunkraft durch exakte Erkenntnisbildung zum Bösen, Artikel von Heinz Grill 

(6) Artikel Deutsche Gesellschaft für Neurologie 

(7) Matthäus-Evangelium 25, 14 - 30, Gleichnis von den Talenten