Die aufbauende und gesundheitsfördernde Begegnung

Mit der Erscheinung des Corona-Virus sind Begegnungen unter Menschen außerordentlich gefährlich geworden und müssen weitgehendst vermieden oder können nur unter Sicherheitsvorkehrungen riskiert werden. 

Die von den verantwortlichen Stellen immer wieder betonte Tatsache, dass eine Erkrankung mit dem Virus tödlich verlaufen kann löst bei vielen Menschen enorme Begegnungsängste aus. Entsetzte oder vorwurfsvolle Blicke, wenn man jemandem zu nahe kommt, ein deutliches Ausweichen und eine merkwürdige Zurückhaltung begegnen mir täglich und hinterlassen ein schmerzhaftes Gefühl in der Seele. 

Kann man nun aber wirklich davon ausgehen dass grundsätzlich durch jede Begegnung ein Ansteckungsrisiko gegeben ist? Gerade so wie jeder durchnässt wird, wenn er sich dem Regen aussetzt. Ich glaube dies wäre eine sehr materialistische Einschätzung, die den seelischen und geistigen Möglichkeiten des Menschen keinen Raum gibt. 

 

Menschen erzeugen mit ihren Gedanken und Gefühlen bestimmte Wirkungen.

Möchte beispielsweise jemand etwas mit fordernden, vielleicht sogar manipulierenden Worten durchsetzen, wird man sich in seiner eigenen Entscheidungsfreiheit eingeengt fühlen, unter Druck geraten und nicht mehr klar denken können. 

Im Gegensatz dazu kann eine freilassende sachlich aufzeigende Gesprächsebene eine aufnehmende, entspannte Atmosphäre schaffen und die Beteiligten zu kreativen Ideen und einer gesunden eigenen Standposition anregen. Menschen können durch die Begegnung einen Raum eröffnen für Entwicklung und für die Entfaltung nächster Möglichkeiten. 

Die weite Geste veranschaulicht den offenen, sympathischen und lichten Raum den Menschen im Miteinander gegenseitig eröffnen können. 

Die Übung heisst „Der freie Raum“ und ist im Yogabuch „Die Seelendimension des Yoga“ von Heinz Grill dargestellt. Aus der metaphysischen Sicht des Autors werden durch die Gedanken und Gefühle die in einer Begegnung vorherrschen, feine geometrische Formen erzeugt die bis in den Körper hinein spürbar werden. Mit ihren Gedanken und Motiven können Menschen in der Begegnung, in der Kommunikation harmonische Formen erschaffen, die aufbauend und gesundheitsfördernd auf die Umgebung wirken.


Die Wirkung von Gedanken und Gefühlen auf den Atem

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Studie die bereits im Jahr 1879 von einem amerikanischen Professor der Medizin, Dr. Gates, veröffentlicht wurde und die aufzeigt, dass sich die Gefühlslage des Menschen bis in den Atem hinein auswirkt. Er ließ den Hauch seines Patienten in einem eisgekühlten Glasrohr zum Niederschlag bringen. Bei normalem Atem löste die „Rhodopsin-iodide“ keinen nennenswerten Niederschlag aus. Fünf Minuten später aber als der Kranke erzürnte, war im Rohr ein bräunlicher Niederschlag zu sehen, woraus zu schließen war, dass nach der jähen Gemütsaufwallung ein gewisses chemisches Produkt im Atem auftrat. Andere Stimmungen wie etwa der Schmerz über den Verlust eines kürzlich verstorbenen Kindes verursachte einen grauen Niederschlag.

Dr. Gates gelangte im Laufe seiner Erfahrungen und Versuche zu der Überzeugung, dass zornerfüllte, böse und deprimierte Gemütswallungen im Organismus schädliche, vergiftend wirkende Produkte erzeugen, während Zufriedenheit, Glücksgefühl, Heiterkeit, gute Laune und Liebe, also die guten Gefühle und gute Gedanken die Heilkräfte des Organismus mobil machen.

Nach Horace Fletscher (1849 - 1919), einem amerikanischen Ernährungsreformer, füllt die Furcht uns mit giftigem Kohlendioxid und vergiftet unsere Atmosphäre. (1)

Wir atmen also die Qualität unserer Gedanken und Gefühle wieder aus und schaffen damit entweder gesundheitsfördernde oder krankmachende Bedingungen für andere. Eine verantwortungsvolle Haltung verlangt nach einer Führung des eigenen Bewusstseins.

Jeder Mensch verfügt über eine ICH-Kraft.

Was ist dieses ICH?

„Die menschliche Erscheinung, die sich sowohl übersinnlich existent ausdrückt als auch sinnlich wägbar offenbart, enthebt sich aus dem Tierreich durch das menschliche Ich-Selbst und durch die Freiheit, die durch den Denkprozess errungen werden kann. Dieses menschliche Denken, das zu erstaunlichsten Leistungen, Ideen und Idealen fähig ist, das in sich eine große schaffende und somit schöpferische Dimension besitzt, existiert in keinem anderen Naturreich. Es befähigt den Menschen zu einer Entwicklung, die über seine eigene persönlich veranlagte Grenze hinausgehen kann. Das Denken selbst wirkt einerseits wie ein schaffender Prozess, der eine Idee in die Realität zu führen vermag, und andererseits wirkt es zentrierend, formend und differenzierend auf das menschliche Wesen....“ (2)

Durch das ICH kann der Mensch schöpferisch und freiheitsfördernd tätig werden. (3)

 

Über das gestaltete Miteinander kann die Gesundheit gefördert werden.

Begegnungen und Austausch unter Menschen sind ein natürliches Bedürfnis und immer auch mit Entwicklung und Fortschritt verbunden. Durch die natürliche und unkomplizierte Begegnung erlebt man sich einerseits selbst als Individuum und fördert bei sich und den anderen mitmenschliche Gefühle. Durch ein waches Bewusstsein und klare konkrete Gedanken, die das Gegenüber wahrnehmen und wertschätzen können Ängste und Traumen zurückweichen. In einem Begegnungsfeld das weitgehend frei ist von Emotionalität und oberflächlichen Gefühlen der Verbundenheit und das bewusst gestaltet ist, wird man die gesundheitlichen Konditionen im anderen stärken und eine regenerative entwicklungsförderliche Atmosphäre schaffen. (4)

Indem wir das Virus bekämpfen, uns vor dem pathologischen Erreger schützen und natürliche Begegnungen aus Angst vor Ansteckung meiden, bewirken unsere Ängste fatalerweise genau das Gegenteil und führen zu einer Schwächung unseres Immunsystems. (5)

 

Zur Schulung und Entwicklung einer größeren ICH-Kraft, einer freieren Beziehungsfähigkeit und einer damit verbundenen Stärkung des Immunsystems kann ich die folgenden Bücher empfehlen:

"Das Wesensgeheimnis der Seele" ist vermutlich das Hauptwerk von Heinz Grill. Es beschreibt den Zusammenhang der 4 Haupt-organe mit dem Bewusstsein des Menschen und zeigt für jeden Menschen je nach individueller Konstituierung nächste Entwick-lungsprozesse zu einer größeren ICH-Kraft auf.

Der bulgarische Weisheitslehrer Omraam Michael Aivanhov wies in seinen vielen Vorträgen immer wieder auf die Wichtigkeit eines Ideales hin, das dem Menschen im Leben eine Richtschnur und Lenkung gibt, ihn über eigene Schwächen hinausführt und  zu moralisch besseren Handlungen erzieht.

Aus einem seiner vielen Vorträge stammt auch diese Broschüre zur Verwirklichung einer wahren Brüderlichkeit unter Menschen.


Quellenangaben:

(1) aus "Yoga und Sport" von Selvarajan Yesudian, S. 50/51, Ausgabe von 1949

(2) aus "Das Wesensgeheimnis der Seele" von Heinz Grill, S. 43

(3) Leider wurde die Existenz dieser großartigen Geistkraft im Menschen im Jahr 869/870 n. Chr. im 4. Konzil von Konstantinopel durch die katholische Kirche annuliert. Dadurch wurde dem Menschen seine höchste Seinsebene abgesprochen, sodass wir heute kaum Kenntnis von unseren wirklichen Möglichkeiten besitzen.

(4) siehe Artikel "Wenn negative Gedanken krank machen" auf PraxisVita

(5) Prof. Dr. Manfred Schedlowski, Direktor des Instituts für medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie und Prof. Dr. Dr. Christian Schubert von der mediz. Universität Innsbruck erforschen seit vielen Jahren den Zusammenhang von guten sozialen Beziehungen und dem Immunsystem.