Die Entwicklung einer zwangfreien Aktivität

Ein Zwang kann durch Einwirkung auf jemanden von außen oder auch als starker innerer Drang erlebt werden.

Jeder Mensch kennt vermutlich die Erscheinung des Zwanges und die damit einhergehende Druckbelastung. Junge Menschen berichten zum Beispiel wie sie sich durch die sogenannten sozialen Netzwerke genötigt sehen, ständig auf ihr Handy zu schauen um neu eingegangene Mitteilungen zu sichten.

Auch eine unausgesprochene Erwartungshaltung kann beim Empfänger Zwänge auslösen. Er fühlt sich vielleicht gedrängt bestimmte Gefälligkeitshandlungen auszuführen, die er von sich aus gar nicht tun möchte.

Auch der innere Zwang, es allen recht machen zu wollen oder eigene, verinnerlichte Glaubenssätze wie "Ich muss immer hilfsbereit, perfekt, stark etc. sein" führen zu großen Überforderungen. Im Grunde genommen zeugt die Formulierung "Ich muss" oder "Ich sollte" schon von einem Zwang, weil er den freien Willen zu einer Handlung vermissen läßt. 

 

Wie kann man diese Zwänge zugunsten eines selbstbestimmteren Lebens überwinden?

 

In der Kopf-Knie-Stellung, pascimottanasana, erlebt sich der Übende in einer eigenständigen Aktivleistung. Aus einer bewussten Ausrichtung auf den Bereich des Sonnengeflechtes wächst er in die größtmögliche Längsdehnung der Wirbelsäule, bis der Bewegung durch die persönlichen Möglichkeiten eine natürliche Grenze gesetzt ist. Die weitere Ausdehnung geschieht nun nicht aus einem willentlichen Zwang heraus. Vielmehr wird der Willensdrang erst einmal zur Ruhe gebracht.

Der nächste Schritt ist eine klare Entscheidung zu einer Intensivierung der Ausdehnung. Aus einer bewussten Wahrnehmung zu dem Zentrum im Sonnengeflecht und dem Ausgang der Dynamik wird der Oberkörper dann weiter nach vorne hinaus getragen. Die Brustwirbelsäule bleibt dabei in einer Streckung. Nachdem der Übende sich wieder einen Überblick über die körperlichen Verhältnisse geschaffen hat, entscheidet er sich erneut für eine weitere Ausdehnung, die er wiederum gezielt aus dem Sonnengeflecht heraus impulsiert.

 

Die eigenständige Entscheidung zu einer zielgerichteten Aktivität läßt diese grenzüberschreitende Übung zu einem freudigen Einsatz werden. Trotz der Mühe und Anstrengung können im Nachhinein feine aufbauende, regenerierende Kräfte erlebt werden. Zwang hingegen führt zu Erschöpfung und einschnürenden Engegefühlen.


Auch im Alltag kann man ein Bewusstsein und eine gute Wahrnehmung in seine Handlungen bringen und sich mit eigenen Zielentscheidungen dazu bewegen. Wir alle müssen von außen auferlegte Pflichten ausführen oder sehen uns mit gesellschaftlich oder gesetzlich auferlegten Vorgaben konfrontiert, die jedoch mit einer eigenständigen Zielsetzung und Entscheidung zu einer selbstbestimmten Handlung werden können. Dadurch verlieren sich die Zwänge.